10 Tipps, wie Du mehr aus Deiner Übe-Zeit herausholen kannst

Vor einer Weile habe ich hier meine Übe-Planung vorgestellt.  Wenn Du selbst Klavier spielst, ist dieser Artikel für Dich. Denn heute verrate ich Dir ein paar Tipps und Tricks mit denen Du mehr aus Deiner Übezeit herausholen kannst.

1. Schwierige abschnitte markieren

Wenn Du ein Stück zum ersten Mal vom Blatt spielst, markiere Dir sofort die Stellen, die problematisch sind. Ich war schon oft in Situationen, wo ich relativ viele Stücke und verhältnismäßig kurzer Zeit lernen musste. Diese einfache Methode (inspiriert von einem meiner Lieblingsbücher) hat mir viel Zeit gespart. Denn so konnte ich mich beim zweiten, dritten, vierten Mal direkt auf die Stellen stürzen, die besondere Aufmerksamkeit brauchten. Überhaupt solltest Du immer einen Bleistift am Klavier liegen haben, um Dir Passagen zu markieren, Fingersätze einzutragen oder Dir Notizen zu machen.

2. Mental Üben

Übe Abschnitte oder auch ganz Stücke nur im Kopf. Du kannst dabei auch die Finger auf der Tastatur bewegen, noch besser ist es aber ganz ohne. Das Tolle daran ist, dass Du gezwungen wirst, das Spielen wieder an Deinen Kopf zu übertragen. Viel zu oft spielen die Finger ganz alleine und der Kopf schweift ab, man denkt an irgendwas anderes. Beim mentalen Üben geht das nicht und man muss zu 100% geistig anwesend sein. Der zweite Vorteil dabei ist, dass man sofort merkt, wenn man eine Stelle noch nicht richtig beherrscht. Was im Kopf klar ist kann man auch spielen. Andersherum kann es höchstens zufällig mal passieren, dass die Finger mal die richtigen Tasten treffen. Das heißt aber noch lange nicht, dass man die Stelle jedes Mal fehlerfrei spielen kann.

3. Pausen machen

Mach genügend Pausen! Es ist extrem wichtig, bewusst Pausen einzulegen. Ansonsten passiert es schnell, dass die Konzentration immer mehr nachlässt, der Kopf sich ausschaltet und sich Fehler einschleifen, die bei voller Konzentration nicht passiert werden. Und wenn Du schon eine Weile Klavier spielst weißt Du, wie nervig es ist, sich Fehler wieder abgewöhnen zu müssen. Stimmt’s? 😉

4. oft und kurz!

Im Zusammenhang damit steht auch der nächste Punkt. Übe lieber oft und in kurzen Einheiten als in wenigen langen. Ich hatte immer wieder Schüler und Studierende, die die ganze Woche nicht üben und dann am Tag vor dem Unterricht 1-2 Stunden am Klavier sitzen. Vielleicht glaubten sie dann, dass es der Lehrer (in dem Fall ich 😉 schon nicht merken wird. Aber falsch gedacht! Es gibt Studien, die belegen, dass der Übungseffekt sich verdreifacht, wenn man Übungen auf zwölf statt auf drei Tage verteilt (Engelmeyer in Hans Löwe: Einführung in die Lernpsychologie des Erwachsenenalters. Berlin 1971.) Wer wenig Zeit hat, sollte also unbedingt oft über den Tag und die Woche verteilt kurze Einheiten einlegen.

Dartpfeil steckt in Zielscheibe

5. Ziele Stecken

Stecke Dir vor jedem Durchlauf ein konkretes Ziel (z.B. ich achte diesmal besonders auf den Fingersatz, aufs Pedal, auf die Dynamik etc.) . Überprüfe nach dem Durchlauf, ob Du es erreicht hast und wenn nicht, woran das gelegen haben könnte.

6. Singen

Sing mit! Viele meiner Schüler hatten Hemmungen, was das Singen angeht. Dabei ist es so wichtig! Rein mechanisch gesehen ist das Klavier ein sehr statisches Instrument. Eine Saite kann schwingen oder eben nicht. Einziges Kriterium für den erzeugten Klang ist die Geschwindigkeit, mit der der Hammer auf sie trifft. Im Gegensatz zu Blas- oder Streichinstrumenten kann man den Ton nicht mehr verändern sobald man ihn hört. Umso wichtiger ist es, ein gutes Gespür zu entwickeln für einen schönen Klang und schöne Linien. Es geht nicht um eine besonders schöne Stimme, sondern nur ums machen. Auch für das Gehör ist das Mitsingen eine Super-Übung!

Zeichnung des Gehirns
Das Gehirn ist Dein wichtigstes Organ beim Klavier Üben

7. Nie kopflos wiederholen

Wiederhole niemals einfach gedankenlos eine Stelle 1000 Mal!! So funktioniert üben nicht. Der wichtigste Körperteil zum Üben sind nicht die Hände, sondern Dein Kopf. Er muss es schaffen, die neuen Bewegungsabläufe zu steuern, mit den Ohren zu kontrollieren und ob das Gespielte mit Deiner Vorstellung davon übereinstimmt. Wenn Du einfach nur immer und immer wieder dasselbe spielst werden sich nach und nach Fehler einschleichen, weil Dein Kopf irgendwann abschaltet und eben nicht mehr alles so ganz genau kontrolliert. Mach eine Pause, lüfte den Raum durch, steh auf und trink was, dann kann es wieder weiter gehen.

8. Übevarianten

Sei kreativ beim Üben! Überlege Dir Varianten, wie Du eine schwierige Stelle spielen kannst. So bist Du immer wieder neu gefordert und Dein Gehirn schweift nicht so leicht ab. Außerdem wird das Üben so viel interessanter, als wenn man nur immer und immer wieder eine Stelle einfach wiederholt. Die Varianten können z.B. eine bestimmte Stimmung sein, in der man die Stelle übt, ein verändertes Tempo, geschlossene Augen, eine veränderte Position der Hände auf dem Klavier,  veränderte Betonungen oder Rhythmen, … Besonders interessant wird es immer dort, wo eine Stelle technisch schwierig ist. So übe ich z.B. gern Sprünge, die mir schwer fallen über mehrere Oktaven. Wenn ich dann wieder zum richtigen Sprung zurückkehre fällt er mir dann richtig leicht. Das gleiche gilt auch für schwierige Tonfolgen. Hier kann man z.B. die schwierige Stelle gleich mehrmals hintereinander einbauen, um sie bei einem Durchlauf gleich mehrfach zu üben. Wichtig ist aber, dass das im Puls des Stücks passiert.

9. von hinten anfangen

Wenn ich ein neues Stück lernen muss fange ich meistens mit dem Schluss an. Das hat mehrere Vorteile. Wenn man das Stück irgendwann mal vorspielen muss ist der Schluss gut und sicher gefestigt. Oft habe ich es bei meinen Schülern erlebt, dass sie immer wieder am Anfang angefangen haben. Den kann man irgendwann perfekt, aber am Ende hadert es noch. Je besser man den Anfang kann, desto frustrierender wird es dann aber, sich mit den Takten auseinanderzusetzen, die noch nicht klappen. Dreht man das Ganze um beginnt man immer mit dem Unbekannten und je weiter man spielt, desto mehr kommt man in bekannte Gefilde. Ich kann es wirklich nur empfehlen, probier es doch mal aus!

Metronom

10. Kreatives Metronom

Gutes Timing ist, v.a. in Pop, Jazz (und Comedy) ein enorm wichtiger Faktor. Wenn Du Schwierigkeiten hast, mit Metronom zu spielen, stell es Dir auf die Hauptzählzeiten (z.B. die Viertel im 4/4-Takt) Deines Stücks ein und übe regelmäßig damit. Wenn Du das Gefühl hast, dass Du damit kein Problem mehr hast, dann stell Dir doch das Metronom nur noch auf die halben Noten. Du kannst es auf 1 und 3 oder (noch besser) auf 2 und 4 stellen. Wenn das gut klappt, lass noch eine Zählzeit weg, sodass der Klick z.B. nur auf der 4 kommt. Sei kreativ im Umgang mit dem Metronom und überlege Dir Deine eigenen kleinen Herausforderungen. Ich versuche z.B. zur Zeit immer mal wieder die 2. Triolenachtel oder die 2. Sechzehntel zu knacken (aber das dauert wohl noch ein bisschen, gar nicht so einfach 😉

Vielleicht denkst Du bei manchen Sachen „Puh, das klingt ziemlich anstrengend.“ Das ist es definitiv auch. Und vermutlich wird sich manches davon so anfühlen als würdest Du eine halbe Stunde daran sitzen auch wenn es in Wirklichkeit nur fünf Minuten sind. Ich kann Dir nur wärmstens empfehlen: Bleib dran, versuch in den nächsten Tagen mal 1-2 Elemente aus der Liste einzubauen! Ich wette, dass Du damit schneller ans Ziel kommst als mit endlosem immer wieder spielen 🙂

Und wenn Du denkst „Hey, ich hab schon eine Weile nicht mehr gespielt, ich habe grad kein Stück an dem ich deine Tipps mal ausprobieren könnte.“, dann hab ich was für Dich 😉 Schau doch mal HIER vorbei. Dort gibt es Noten zu vielen meiner Stücke zum Download oder als Notenheft zum Bestellen. Und wenn Du noch Fragen hast schreib mir einfach. Viel Spaß beim Üben!! 🙂

Metronom Image by swooshed from Pixabay
Brain image by holdentrils from Pixabay
Target image by Rudy and Peter Skitterians from Pixabay

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