Ein deutscher Weihnachtsmarkt in Kanada

In der Weihnachtszeit denke ich oft an eins meiner schönsten Projekte zurück – der deutsche Weihnachtsmarkt in Kanada. Damals wollte ich noch Kulturmanager werden und war vier Jahre lang künstlerischer Leiter des Weihnachtsmarkts.

Den Weihnachtsmarkt in seiner aktuellen Form dürfte es jetzt 10 oder 11 Jahre geben. Ganz am Anfang meiner Zeit in Québec hatte ich gehört, dass es an einem Wochenende im Dezember einen deutschen Weihnachtsmarkt gab. Ich war natürlich neugierig und musste mir das aus der Nähe anschauen. Damals bestand er nur aus ein paar wenigen Ständen auf einem Kirchhof im Zentrum der Stadt. Aber es war einfach so schön so weit weg von zu Hause gebrannte Mandeln und Glühwein zu kaufen, Räuchermännchen und Pyramiden zu sehen. Noch nie habe ich mich so über Rolf Zuckowskis Weihnachtslieder gefreut wie bei -25°C in Québec.

Philipp präsentiert (damals noch als Besucher) das Banner des Deutschen Weihnachtsmarkts in Québec
Mein zehn Jahre jüngeres bartloses Ich demonstriert in bester Touri-Manier das Banner des Weihnachtsmarkts

Seitdem ist viel passiert und der Weihnachtsmarkt wächst und wächst. Der Oberbürgermeister  der Stadt ist ein großer Fan des Marktes und fördert ihn Jahr für Jahr. So soll Québec nach und nach zur DEM Winterreiseziel in Nordamerika werden. Neben dem Weihnachtsmarkt finden, über den Winter verteilt, eine Reihe von Events statt, so z.B. auch der Winterkarneval, bei dem ich einen Winter lang bei -30°C 12 Stunden am Tag Türsteher war. Aber das ist eine andere Geschichte 😉

"Mein" Weihnachtsmarkt

Nachdem mich meine Vorgängerin dem Weihnachtsmarkt empfohlen hatte konnte ich nach ein paar Treffen und Besprechungen mein neues „Amt“ antreten. Das beste war: ich konnte mich einfach total austoben, was das Programm anging. Ein, zwei Programmpunkte konnte ich von den Jahren vorher übernehmen. Außerdem hatte die bayerische Vertretung als einer der Hauptsponsoren immer einen deutschen Wunschgast, den ich mit übernehmen musste. Aber ansonsten hatte ich freie Hand. Es war einfach ein Wahnsinnsgefühl, so viel Vertrauen entgegen gebracht und auch noch eine ziemliche Verantwortung übertragen zu bekommen.

Die Programmtafel des Deutschen Weihnachtsmarkts Québec

So organisierte ich viele Konzerte, lud Künstler auf den Markt ein, es wurde gesungen, gespielt, gebastelt, geschauspielert, gejazzt, ge-puppen-theatert, … Leider konnte ich selbst bei vielen Konzerten nur Anfang und Ende sehen, weil natürlich auf dem Markt parallel das Programm trotzdem weiterging. Die gewisse Hektik von einem Spielort zum nächsten zu eilen, hier noch kurz ein Telefonat für den Chor in zwei Stunden zu führen und dort auf dem Weg mit den Chefinnen noch etwas abstimmen – das hat mir einfach riesig Spaß gemacht. Wenn ich daran zurückdenke bin ich auf viele Sachen schon ein bisschen stolz, die ich organisiert habe. Und ich konnte mir die Sachen, die mir aus Deutschland fehlten auf diese Weise selbst organisieren.
Zu meiner letzten Ausgabe des Marktes wurde außerdem zum ersten Mal Feuerzangenbowle gemacht und ich hatte die Ehre, unter den staunenden Blicken des Publikums den Zuckerkegel mit Bowle zu benetzen.

Philipp mit Nikolaus
Zu meiner letzten Ausgabe des Weihnachtsmarktes mit dem Nikolaus 🙂

Rückkehr nach Deutschland

Als ich 2014 wieder zurück nach Deutschland ging, stellte sich natürlich die Frage, wie es jetzt mit diesem Projekt weitergeht. Und Ameli und Olivia machten mir ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte: Sie boten mir an,  den Flug nach Québec für die Dauer des Weihnachtsmarktes zu übernehmen. So konnte ich noch zweimal, aus Erfurt, die Organisation übernehmen.

Blick über die Unterstadt von Québec
Das Chateau Frontenac in Québec, gesehen aus einer Seitenstraße

Jedes Mal habe ich mich so sehr gefreut, diese wunderschöne Stadt wiederzusehen. Seit dem letzten Weihnachtsmarkt war ich jetzt schon nicht mehr da. Es wird mal wieder Zeit!

Allerdings wäre es gelogen zu behaupten, dass sich an meiner Arbeit durch die Entfernung nichts verändert hätte. Sechs Stunden Zeitverschiebung für Telefonate und Skypes machen schon einiges umständlicher, als wenn man einfach mal eben einen Termin ausmacht und sich persönlich trifft. Das, mein Lehrauftrag an der Uni und meine Entscheidung, mich nur noch auf die Musik zu konzentrieren – diese drei Punkte führten dazu, dass ich mich schweren Herzens aus dem Projekt zurückzog.

Nun bin ich schon seit vier Jahren nicht mehr Teil des Teams und natürlich auch sehr froh, mich für die Musik entschieden zu haben. Aber trotzdem behält der Weihnachtsmarkt für mich eine ganz besondere Stellung in den Projekten, an denen ich mal gearbeitet habe.

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