Kann Musik die Welt retten?

Kaum ein Buch hat meine Sicht auf die Welt so sehr verändert wie „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Neben der unglaublich aufschlussreichen Beschreibung, wie sich die Menschheit zu dem entwickelt hat, was sie heute ist, zeichnet er auch eine Zukunftsvision. Die ist so düster, dass mir ziemlich unwohl geworden ist.

Und auch angesichts aller Krisen, die es gerade zu lösen gilt (allen voran die Erderwärmung), stelle ich mir immer wieder die Frage, wie ich selbst dazu beitragen kann, die Erde ein Stück weit besser zu machen. Dabei glaube ich, dass wir, neben einer schnellen Lösung für den Klimawandel, v.a. dringend ein toleranteres Miteinander brauchen.

Ich bin kein Arzt, keine Pflegekraft, arbeite bei keiner NGO, bin kein Lehrer, der im harten Schulalltag versucht seinen Idealismus zu bewahren, forsche auch nicht an Methoden, die unser Leben nachhaltiger machen können. Ich bin Musiker und frage mich, ob Musik überhaupt die Welt verbessern kann. Oder ist das nur utopisches Wunschdenken? Und wenn es möglich ist, wie soll das gehen?

Ich bin ja bei Weitem nicht der Erste, der sich diese Frage stellt und habe auf meiner Suche einige unterschiedliche Antworten gefunden.

Musik mit Message

Für einen Musiker, der selbst Musik schreibt liegt es natürlich nahe, Herzensanliegen auch in der Musik und in den Texten zu verpacken. Nichts anderes habe ich selbst in meinem Stück humans versucht. Was bei Instrumentalmusik noch abstrakt bleibt kann bei gesungener Musik natürlich deutlicher gesagt werden.

Ein tolles Beispiel dafür ist der Song „Lampedusa“ von Malky. Ich kannte ihn schon lang, hab ihn und seine Bedeutung aber erst so richtig verstanden, als ich die beiden live gesehen habe. Er erzählt aus der Perspektive eines Flüchtlings von der Überfahrt nach Lampedusa und gipfelt in der bitteren Zeile „If you don’t want my soul, at least take my body, Lampedusa“.

Musik mit Reichweite

Aber darf die Musik selbst politisch sein oder sollte der Musiker höchstens seine persönliche Reichweite nutzen um Dinge zu bewegen, ohne dass das in die Musik einfließt? Geht das überhaupt? Und wenn sich ein Musiker mit großer Reichweite politisch positioniert, hat das dann Auswirkungen auf seine Fans? Oder wenden die sich dann nur von ihm ab, wenn die von ihm vertretenen Positionen nicht den eigenen entsprechen? So erging es zumindest dem Schlagerstar Roland Kaiser, der in meiner Geburtsstadt Dresden für Toleranz und Mitmenschlichkeit geworben hat. Empörung und Abkehr waren die Folge da, wo sich seine Fans mit Pegida-Sympathisanten überschneiden.

Ich vermute aber, dass dann doch viele davon heimlich wieder zum Konzert gegangen sind. Wenn man jemanden so liebt wie viele Dresdner Herrn Kaiser (er hat in diesem Jahr vier (!!!) ausverkaufte Konzerte am Elbufer gespielt), müsste man schon sehr große Opfer für die eigene Gesinnung bringen. Und dann wäre es an ihm, diese Bühne zu nutzen, um immer wieder für Toleranz und Menschlichkeit zu werben. Vielleicht könnte man ja so doch den einen oder anderen Pegidisten zum Nach- und Umdenken bewegen.

Auch andere Musiker nutzen ihre Reichweite, um auf Probleme aufmerksam zu machen. Einer meiner musikalischen Helden, Ludovico Einaudi, hat vor ein paar Jahren mit Greenpeace gemeinsame Sache gemacht und auf einer künstlichen Eisscholle im Nordpolarmeer ein eigens komponiertes Stück gespielt. Dabei sollte Aufmerksamkeit auf eine Petition zum Schutz der Arktis gelenkt werden. Das ist sicherlich auch gelungen, leider wurde aber das gewünschte politische Ergebnis nicht erreicht. Es sind auf jeden Fall Wahnsinnsbilder und ein bewegendes Stück Musik – aber wie wirkungsvoll ist sowas wirklich?

Musiker, die nicht nur Aufmerksamkeit auf etwas lenken, sondern dabei auch recht unbequem sein können sind die Kollegen von Lebenslaute e.V. In bester Konzertkleidung wird an umstrittenen Orten klassische Musik gespielt und diese Orte auch oft blockiert (letztes Jahr z.B. die Eingänge zum Gelände des Verfassungsschutzes). Natürlich werden solche Versammlungen dann auch schnell von der Polizei wieder aufgelöst. Aber es wird eine Menge Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen gelenkt und auch gleichzeitig etwas Sand ins politische Getriebe gestreut.

Money, money, money

Und was ist mit Geld? Schon öfters habe ich auf CDs von Kollegen den Hinweis gesehen, dass pro verkaufter CD 1€ an ein Hilfsprojekt gespendet wird. Das ist sicherlich gut, angesichts der leider nur sehr geringen Zahlen an CDs, die heute überhaupt noch verkauft werden, aber wahrscheinlich nur ein symbolischer Akt. Stattdessen müsste man die Idee auf Streaming ummünzen, allerdings fließt hier selbst bei mittlerem Erfolg nur so wenig Geld, dass sich das wohl nur für riesige Stars so wirklich lohnt.
Interessant und originell fand ich auch die Idee der Schweigeminute für das Flüchtlingslager Traiskirchen, die man bei iTunes und Co. kaufen konnte. Einfach nur 60 Sekunden Stille, die Erlöse daraus flossen an das Lager. Diese Idee des Österreicher Künstlers Raoul Haspel war sogar so erfolgreich, dass sie es bis in die Charts schaffte.

Ein anderes weltbekanntes Beispiel für Fundraising durch Musik ist natürlich auch „We are the world“, durch den über 63 Mio. $ für die Opfer der Hungersnot in Äthiopien eingenommen wurden. Auch die (umstrittenen) LiveAid-Konzerte und alles, wo „Benefiz“ draufsteht fallen in diese Kategorie.

Ich denke, dass im Kern dieser ganzen Ansätze immer die Idee steckt, etwas Gutes zu tun. Ganz im Sinne von Spiderman: „From great power comes great responsibility.“ – Wer (als Musiker oder nicht) in der Öffentlichkeit steht, hat in meinen Augen die Verantwortung, Farbe zu bekennen und seine Reichweite eben nicht nur für die neuesten Beauty-Produkte einzusetzen, sondern auch und vor allem für den Erfolg von Projekten, die uns Menschen und der Erde nützen. Und wer neben der Reichweite dann noch das entsprechende Kleingeld hat, tut gut daran, einen Teil davon für die richtigen Projekte zu spenden – ganz abseits von Kameras und Medien.

Vielleicht hast Du ja Ideen oder kennst Projekte, wie Musik die Welt verändern kann? Dann schreib mir doch einfach hier eine Nachricht. Ich freu mich drauf, mit Dir ins Gespräch zu kommen!

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