NEUE SINGLE: oma

Heute ist es soweit und meine neue Single ist draußen! Du findest sie überall, wo es Musik gibt (u.a. auf Spotify oder Apple Music) oder du kannst sie HIER kostenlos downloaden.

Mit diesem Stück möchte ich das Leben einer Person würdigen, die ich leider viel zu wenig gekannt habe: meine Oma. Wer meinen Artikel über das Musikvideo zu „humans“ gelesen hat, ist ihr schon einmal begegnet. Sie war es, die mich rügte, wenn ich mich ärgerte und dabei sagte „Mensch!“ (ich hatte da mal so eine Phase, wo das ziemlich häufig vorkam 😉 ) Und sie brachte mir bei, dass „Mensch“ eben kein Schimpfwort ist.

Spielen

Von ihr lernten meine Brüder und ich das Spielen. Es gibt kaum ein Brett- oder Kartenspiel, das wir nicht mit ihr gespielt haben: Klassiker wie Mensch-ärgere-Dich-nicht, Halma oder Scrabble, ausgefallenere Spiele wie Canasta, abendfüllende Runden mit Malefiz, Dauerbrenner wie Backgammon (das sie JEDEN Abend mit meinem Opa spielte) oder Kinderspiele mit grotesken Titeln wie „Sag nix über Pullock“.

Philipp als Kind mit Spielkarten in der Hand
Dieser kleine Philipp war wohl grad am Verlieren...

Dabei eilte ihr immer ein bisschen der Ruf voraus, die Regeln, sagen wir, ein wenig zu dehnen. Denn das Spielen war eine ernste Sache und es wurde mit harten Bandagen gekämpft! Und ich habe gut von ihr gelernt, denn ich habe bei unseren gemeinsamen Fußballspielen im Hof mit ihr erfolgreich die Regel durchgesetzt, dass niemand aus der anderen Mannschaft in meinen Strafraum darf. Kreative Spielregeln – kann ich auch!

Während wir als Kinder zehn Minuten Fußweg von unseren Großeltern entfernt gewohnt hatten, wurde die Entfernung um die Jahrtausendwende größer: Mit dem Eintritt in die Rente zogen die beiden in die Heimat meines Opas nach Süddeutschland. Als meine Oma dann dort begann, sich Eigenheiten der schwäbischen Mundart anzueignen, sorgte das bei uns jedoch mitunter für Schmunzeln.

Wie viele Menschen ihrer Generation war sie eine Meisterin im Kontakt halten, im Briefe schreiben, telefonieren, Besuche machen. Und auch in ihrer neuen Heimat hatte sie schnell Anschluss gefunden und wurde bestens aufgenommen. Ein schönes Beispiel von Ost-West-Verständigung.

Erinnern

Philipp mit Oma am Tisch

Bei meinen Großeltern gab es zu jeder Tageszeit Apfelschorle und aufs Brötchen Pflaumengelee während der Gong der Wanduhr die Zeit vorgab. Durch eine OP hatte sie, solange ich denken kann, einen steifen Hals. Und wenn sie jemand rief, drehte sie immer den ganzen Oberkörper in diese Richtung.

Zu einem Besuch bei meinen Großeltern gehörte immer auch ein Besuch im „Diakonieladen“ dazu – eine Art Sozialkaufhaus, wo gebrauchte Gegenstände abgegeben, und für einen guten Zweck weiterverkauft werden. Als ich letztes Jahr einmal zu Besuch war, kaufte ich mir, in guter Tradition, ein Buch im Diakonieladen. Als ich es meinen Großeltern zeigte, meinte mein Opa „Oh, ich glaub das haben wir auch!“ und meine Oma klärte uns auf „Das hab ich letzte Woche zum Diakonieladen gebracht.“ Das ist der „Circle of Life“ in Aktion würde ich sagen 🙂

Beim gleichen Besuch erzählte sie mir von einem Buch, das sie gerade las und das sie begeistert hatte: Ich bin hier, und alles ist jetzt – die Biographie einer Holocaust-Überlebenden. Sie erzählte mir, dass sie am liebsten Bücher las, in denen echte Schicksale erzählt wurden. Das haben wir gemeinsam.

Leben

Und alles ging so weiter wie immer. Ich in Erfurt, sie in der Kleinstadt in Baden-Württemberg.
Bis sie im Frühjahr diesen Jahres starb. Und mir auf einmal bewusst wurde wie schmerzlich wenig  ich sie eigentlich kannte und von ihr wusste. Wie viele Fragen ich aufgeschoben hatte für den Moment, wenn es dann irgendwann mal passt. Wie selten ich angerufen hatte, weil ich dachte, es würde unendlich viele andere Gelegenheiten geben, sich zu unterhalten.

Für sie und für mich widme ich ihr dieses neue Stück. Was mir jetzt noch bleibt sind die Erinnerungen und ein paar Gläser Pflaumengelee.

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