Sciliar oder wie es klingt, einen Berg zu besiegen

Fahrt Ihr im Urlaub lieber ans Meer oder in die Berge? Früher sind wir mit meiner Familie immer an die Ostsee gefahren (wo ich aber meistens dank Quallen-Phobie den ganzen Tag am Strand gelesen hab). Vor zwei Jahren konnte ich dann zum ersten Mal die Dolomiten bestaunen – und aus dieser gigantischen Erfahrung ist mein Stück „sciliar“ entstanden.

Habt Ihr nicht mehr im Ohr? Dann hört doch nochmal rein!

Unser erster Blick auf den Schlern (it.: sciliar) bei unserer Anfahrt mit dem Auto

Als meine Freundin und ich vor zwei Jahren mitten im Hochsommer nach Südtirol kamen und diesen Berg, den Schlern (oder italienisch: sciliar), sahen dachten wir „Das kann nicht der Berg sein, auf dem wir unsere Hütte gebucht haben.“ Aber so war es dann doch. Ich, der Gebirgsanfänger, noch nie im Hochgebirge gewesen, mit viel zu viel Gepäck im Rucksack. Mareike, zu der Zeit noch selbsternannter Wandermuffel. Was für ein Plan!

In der sengenden Mittagshitze stellten wir fest, dass sämtliche Supermärkte geschlossen hatten. Also mussten wir unsere Vorräte im Delikatessengeschäft auffüllen. Dann gings ab in die Seilbahn – aber die fuhr genau in die entgegengesetzte Richtung. Also erschwerte Bedingungen: noch weiter laufen! Über die Seiser Alm stapften wir „unserem“ Berg entgegen. Mit vielen Pausen, Schweiß und roten Köpfen kamen wir dann am frühen Abend in unserer Unterkunft an. Das Gefühl war unbeschreiblich – endlich oben zu sein, umgeben von Kühen, Murmeltieren und natürlich den vielen perfekt ausgerüsteten deutschen Outdoor-Touristen.

Die vielen Eindrücke da oben haben mich komplett ausgefüllt, ich hatte überhaupt nicht das Bedürfnis Nachrichten zu lesen, Filme zu schauen, durch Facebook und Instagram zu scrollen. Im Alltag gibt es immer mal wieder Tage, wo mein Handy und alles was darauf passiert mich nur noch stresst. Kennt Ihr das? Auf dem Berg hat das einfach überhaupt keine Rolle mehr gespielt.

Am meisten fasziniert hat mich aber die Stille. Keine Autos, keine Musik, nur ab und zu mal ein Flugzeug und natürlich hunderte Kuhglocken (die mich dann aber dafür nachts auch vom Schlafen abgehalten haben). Als wir am nächsten Tag von unserer Unterkunft zu einer Tagestour gestartet sind, hatte ich auf einmal drei Akkorde im Kopf. Wenn völlig aus dem Nichts eine konkrete musikalische Idee zu mir kommt sind das für mich immer ganz besondere Momente.

Philipp hiking at Sciliar in South Tyrol

Wieder zurück in Erfurt setzte ich mich ans Klavier und spielte die Akkorde vom Berg. Sofort fühlte ich mich wieder dorthin zurückversetzt. Dann begann ich zu improvisieren und Ideen zusammentragen, die ich in das Stück mit einbetten wollte. Es kamen so viele unterschiedliche Melodien, Wendungen, Abschnitte zusammen, dass ich ein wenig aussortieren musste.

Oft fällt es mir beim Komponieren schwer, besonders bei längeren Stücken, einen einheitlichen Bogen zu schlagen. Zu viele Einzelteile können ein Stück schnell zu einem Flickenteppich machen. Deswegen griff ich auf ein Hilfsmittel zurück, das ich vorher noch nie verwendet hatte: Ich skizzierte auf einem Blatt Papier den Spannungsbogen, der mir vorschwebte: ein konstante Steigerung, dann eine Pause, ein erster Höhepunkt, wieder eine Pause, dann ein zweiter Höhepunkt und dann das Abklingen. Eigentlich so ähnlich wie unser Aufstieg nach oben, mit den zwei längeren Pausen, die wir eingelegt hatten. Jetzt konnte ich die Ideen noch einmal aufgreifen, anpassen, sortieren, damit daraus genau dieser Bogen entsteht.

Dabei bleiben natürlich ein paar Ideen auf der Strecke. Bisschen wie bei einem Film, wo letztendlich doch nicht alle gedrehten Szenen es ins Kino schaffen.

Da wäre z.B. diese Begleitung für die linke Hand:

Oder dieses Motiv für die rechte Hand (so klingt es übrigens, wenn die Idee noch sehr frisch ist und ich versuche mich an die Töne zu erinnern 🙂

Heraus gekommen ist eins meiner Lieblingsstücke auf meinem Album „words“. Den italienischen Namen sciliar fand ich übrigens etwas klangvoller als das deutsche Schlern (Gesundheit!)

Ich habe fest vor, dafür auch noch ein Video zu machen, eine grobe Idee steht schon.

Stay tuned 🙂

Wow, vielen Dank, dass Ihr bis hierhin gelesen habt! Ich würde mich riesig freuen, wenn Ihr mir hier, bei Facebook oder Instagram schreibt, ob Euch der Artikel gefallen hat. Vielleicht habt Ihr ja auch Fragen oder Themen, die Euch interessieren.

Und wenn Euch mein Stück sciliar gefallen hat, dann folgt mir doch bei Spotify und hört immer als Erste meine aktuellste Musik. Ein mit viel Liebe gepresstes Exemplar für CD-Freunde könnt Ihr übrigens hier erwerben.

Bis bald!

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