Waiting – Wie beim Warten alles begann

Kein Jahr, kein Monat, keine Woche und vielleicht kein Tag vergeht, wo man nicht auf irgendetwas wartet. Sei es im Wartezimmer, auf die Rückmeldung für eine Bewerbung, auf eine Zusage für eine Wohnung oder einfach nur auf das Essen im Restaurant 🙂

Sicher kennst Du das auch: Situationen, in denen einen das Warten lähmt, wo die Gedanken um nichts anderes kreisen und man keine Ruhe findet. Man ist zum Nichtstun verdammt und würde am liebsten aktiv werden und die Dinge selbst in die Hand nehmen. Nur leider ist man drauf angewiesen, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt oder jemand anders etwas tut.

Philipp Gesicht von oben

Abwarten wird zu Musik

Als ich vor zwei Jahren einmal in so einer Situation war, setzte ich mich ans Klavier und versuchte, dort ein bisschen Ruhe zu finden. Herausgekommen ist der Anfang meines Stücks „waiting“. Den habe ich dann immer weiter gesponnen und um ein paar rhythmische Spielereien ergänzt. Es hat zwar nichts beschleunigt, aber mich abgelenkt. Verrückt, wenn man sich überlegt, dass das Stück (das ja eigentlich Ausdruck des in-der-Luft-Hängens war) mich dann auf andere Gedanken gebracht hat.

Bis dahin war es nur ein Solo-Klavier-Stück und erst dachte ich, dass es auch eins bleiben sollte. Aber als ich es danach mal wieder gespielt habe, tauchte eine ganz einfache Melodie in meinem Kopf auf, die ich dann dazu sang. Im Gegensatz zu der unruhigen und wuseligen Begleitung bestand diese Melodie nur aus langen, ruhigen Tönen. Ich liebe diesen Gegensatz und ich glaube, er macht dieses Stück einfach aus.

Nachdem ich „waiting“ erst mit meinen Musikerkollegen Johannes (cl) und Constanze (sax) ausprobiert hatte, brachte ich das Stück dann auch mit zur Probe meines kompletten Erfurter Quintetts. Zuerst spielten wir das Stück noch ein bisschen zu sehr gradeaus, aber mit der Zeit entwickelten wir eine epische Bandversion, die wir auch zu meinem Words-Releasekonzert auf die Bühne brachten.

Wenn Du magst, kannst Du hier mal reinhören:

Aber auch mit anderen Leuten stand ich mit diesem Stück auf die Bühne, so u.a. mit meinem Freund AJ aus den USA, der ein Jahr in Erfurt lebte. In dieser Zeit habe ich unglaublich viel von ihm gelernt und er hat die Musikszene ziemlich aufgemischt!

Die Aufnahme mit AJ ist vom allerersten Auftritt mit meinen Solostücken in meiner Lieblings-Location Franz Mehlhose. Ganz spontan hatte der Künstler für diesen Abend den Auftritt abgesagt, sodass sein Support, die liebe und tolle Claudia Tierling, dann das Konzert spielte. Und als Support für den Support konnte ich meine Stücke dann zum ersten Mal vor Publikum ausprobieren.

Warten und finden

Zu guter Letzt habe ich „waiting“ dann letztes Jahr für mein Album aufgenommen. Damit es eine reine Klavierfassung wird, musste ich erst die Begleitung einspielen und dann, per Overdub, die Melodie noch einmal darüber setzen. Für eine Live-Aufführung, die so klingen soll wie auf der Aufnahme, bräuchte man also wahrscheinlich noch ein zweites Klavier und einen zweiten Pianisten.

Natürlich gibt es auch die Version hier zum Anhören 🙂

Auch wenn ich live für dieses Stück immer noch mindestens einen zweiten Musiker brauche, ist es für mich doch das erste Stück meiner Solo-Kompositionen.

Es unterscheidet sich sehr von meinen vorherigen Stücken, die alle eher nach Jazz klingen. Und so ist es für mich ein kleiner Meilenstein geworden (quasi ein Meilensteinchen 🙂 ) auf der Suche nach meiner musikalischen Stimme.

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